Geschichte

 

Gründung

Anno 1734 wurde die hannoversche Landesuniversität Göttingen, die Georgia Augusta, nach Planung des Ministers und ersten Kurators Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen gegründet.

Im Sommersemester 1883 waren an der Georgia Augusta 1104 Studenten immatrikuliert, wovon etwa 150 der katholischen Konfession angehörten. Unter ihnen befanden sich die CV-Studenten Franz Graf Matuschka (Wf), Josef Kellerhoff (Bv Bo), Conrad Hartung (Hr), Joseph Kaiser (Sx), Johann Schoene (Sx) und Theodor Haas (Gu). Zu ihnen gesellten sich Karl Osthaus und etwas später Julius Eissner (Gu).

Am 1. Mai 1883 trafen sich die sechs Männer (ohne Haas und Eissner) im Hinterstübchen des Studentenlokals „Gebrüder Taverna“ in der Weender Straße. Kellerhoff beantragte die sofortige Gründung einer CV-Verbindung, was einstimmig angenommen wurde. Im Anschluss legten die Anwesenden den Treueschwur in die Hand Matuschkas ab. Hartong erinnert sich: „Nachdem wir unter dem Kommando Matuschkas einen urkräftigen Salamander auf das Gedeihen unseres Werkes und auf ein ewiges vivat, crescat, floreat gerieben hatten, wurden Kellerhoff und ich mit der Ausarbeitung der vorläufigen Statuten beauftragt.“ Matuschka wurde Senior der neuen Verbindung, Kellerhoff Consenior und Schriftführer. Osthaus bekleidete die Chargen des Fuchsmajores und Kassierers. Am 5. Mai 1883 wurde die Verbindung auf Haas' Antrag Palatia genannt: eine wehrhafte Burg für den CV in Göttingen; auf Vorschlag Kellerhoffs wählte man die Farben Weiß – Rosa – Moosgrün, die Fuchsenfarben Rosa – Moosgrün. Wenige Tage später, am 22. Mai 1883, wurde der erste Fux rezipiert. Am 1. Januar 1884 wurde Palatia als freie Verbindung in den Cartellverband aufgenommen.

 

Akademischer Kulturkampf

Der Akademische Kulturkampf umschreibt den Konflikt zwischen katholischen und liberalen Studentenverbindungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Deutschen Kaiserreich und Österreich. Dieser entstand im Zuge der Streitigkeiten um die Berufung katholischer Gelehrten an der neu gegründeten Universität Straßburg – damalig dem Deutschen Kaiserreich angehörend – im Jahre 1901. Aus katholischer Sicht erschien die Auseinandersetzung als reine Provokation zum Erhalt der protestantischen Dominanz an den Universitäten im Kaiserreich und Österreich. Unter den Folgen des Kulturkampfes litt auch die Palatia, da der Studentenausschuss von weiteren Einladungen zu dessen Sitzungen absah. Darüber hinaus war es den Pfälzern nicht mehr gestattet Kandidaten für den Studentenausschuss zu stellen. Die stetig ausweitende Boykottbewegung gegen die Palaten und das durch die Regierung ins Auge gefasste Verbot gegen konfessionelle Bünde erschwerte den Alltag vehement. Die systematische Ausgrenzung von konfessionellen – vor allem katholischen Studentenverbindungen – führte soweit, dass sogar die ansässigen Gastronomen zum wohlwollen der Corps Lokalverbote aussprachen. Die negative Stimmung gegen religiös gebundene Verbindungen endete erst knapp zehn Jahre später. 1912/ 1913 wurde erstmals seit den aufkommenden Konflikten ein Palate in den Studentenausschuss berufen.

 

1. Weltkrieg 

Zu Kriegsbeginn entschieden sich die Palaten das Tragen von Farben einzustellen. Im Mai 1915 entschied man sich das Austragen von Kneipen ebenfalls zu unterlassen. Am Ersten Weltkrieg nahmen insgesamt 168 Palaten teil, von denen 23 gefallen sind. Im Jahre 1922 erwarb der Palate Nikolaus Graf Ballestrem den "Lindenkrug" für 450.000 Mark. Das Gebäude in der Lotzestraße diente der Gartetalbahn als Bahnhof. Im Februar 1923 ging das Haus gegen Erstattung der Selbstkosten in den Besitz des Palatenhausvereins, der 1905 gegründet wurde, über.

 

Altes Palaten Haus.jpg

 

Zeit während des Nationalsozialismus

1932 beschloss die Cartellversammlung, dass eine zeitgleiche Mitgliedschaft im CV und der NSDAP unvereinbar sei, solange deutsche Bischöfe den Nationalsozialismus verurteilten. Im Zuge des Reichskonkordats wurde der Beschluss jedoch aufgehoben. 1933 feierte die AV Palatia ihr 50. Stiftungsfest. Ein Jahr später wurde durch die Verbandsführung das Katholizitätsprinzip vom CV abgelegt. Im Zuge dessen wurde sowohl die Palatia als auch der Palaten-Hausverein aufgelöst. Am 3. März 1938 wird der AH-Verband dazu verpflichtet dem NS-Altherrenbund beizutreten. Franz Voss lehnt dies jedoch für die Palatia ab. Aufgrund der politischen Situation feiert die Palatia ihr 55. Stiftungsfest in Bremke. Zum Leidwesen aller Anwesenden erschien die Gestapo und verbat weitere Treffen. Infolge des Zweiten Weltkrieges fielen weitere 20 Palaten.

 

Wiederbegründung und Zeit nach dem 2. Weltkrieg 

1945 wurde nach Kriegsende die Katholische Studentengemeinschaft (KSG) gegründet. Am 8. November hielt die Gruppe den ersten ordentlichen Convent nach den alten Statuten ab. Dieses Datum gilt als Wiederbegründungsdatum der Akademischen Verbindung Palatia Göttingen. Die anfängliche Mitgliederzahl von sieben Personen stieg in Kürze bereits auf 19 Mitglieder. Der Mittelpunkt der weiß-rosa-moosgrünen Burschen war erneut das Palatenhaus in der Lotzestraße 44. Bereits ein Jahr später kam es zur Wiederbegründung des AH-Verbandes Palatiae unter der Leitung des AH-Seniors Franz Voss. Damit einhergehend wurde der Palatenhausverein neu begründet. Am 16. Juni 1951 übertrug Graf Ballestrems Sohn, Valentin, das Palatenhaus an die Verbindung zurück. Von 1952 bis 1983 benannte sich die AV Palatia zu KDStV Palatia Göttingen um. In der Zwischenzeit wurde der Franz-Voss-Studentenhausverein e.V. gegründet.

 

Die aktuelle Mitgliederzahl beläuft sich auf 303 Personen.

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